„Rankins Bücher bilden gewissermaßen
die Quintessenz dessen, was gegenwärtig
den britischen Kriminalroman ausmacht.“
Tobias Gohlis, DIE ZEIT
Der 19. März 1985 war ein großer Tag für mich. Ich studierte damals an der University of Edinburgh und schrieb an meiner Dissertation über die Romane von Muriel Spark. Ich merkte aber, dass meine Dissertation mich weniger interessierte als meine eigenen schriftstellerischen Versuche.
Ein, zwei Jahre nach Erscheinen von Hide and Seek wurde in die Zentrale der Polizei von Edinburgh eingebrochen. Zu den Dingen, die angeblich gestohlen wurden, gehörte auch eine Liste von Namen – Namen von Männern aus der Edinburgher Hautevolee.
Von 1986 bis 1990 wohnte ich in einem kleinen Apartment im Londoner Stadtteil Tottenham, nicht weit von dem Flüsschen Lea. Als ich im Sommer 1990 nach Frankreich umzog, übernahmen ein paar Freunde das Apartment.
Strip Jack ist der erste Rebus-Roman, der komplett in dem heruntergekommenen französischen Bauernhaus geschrieben wurde, in das ich 1990 mit meiner Frau gezogen war. In den ersten zwei Jahren verwandten wir den größten Teil unserer Energie darauf, das Haus halbwegs auf Vordermann zu bringen …
Gegen Ende von The Black Book erwähne ich eine amerikanische Kleinstadt namens Bar Harbor. Man kann die Stelle leicht überlesen, aber mich erinnert sie daran, dass der Plot dieses Romans zu einem großen Teil in Amerika entstanden ist. Das Jahr 1992 bescherte mir zwei bedeutsame Ereignisse.
Ich bin in einem kleinen Bergarbeiterort in Schottland aufgewachsen, weit weg von den „Unruhen“ in Nordirland. Aber als Kind wurde ich jede Samstagnacht von einem Betrunkenen geweckt, der auf dem Weg nach Hause am Ende unserer Sackgasse stehen blieb, um eine unmelodische Darbietung des irisch-protestantischen Kampflieds „The Sash“ zum Besten zu geben.
Das Stones-Album Let It Bleed habe ich zum ersten Mal mit zehn oder elf gehört. Die Musik gefiel mir nicht – in dem Alter konnte ich mich eigentlich nur für Marc Bolan begeistern; der eigentliche Stones-Fan war der Freund meiner Schwester. Die Texte fand ich allerdings ziemlich interessant.
Ende Dezember 1996. Nach sechs Jahren in Frankreich lebten wir wieder in Edinburgh. Wir hatten ein Haus gemietet, dessen Besitzer den größten Teil des Jahres in London lebten, es allerdings über Weihnachten selbst brauchten. Und so waren wir vorübergehend obdachlos. Das Weihnachtsfest hatten wir in Belfast verbracht, bei der Familie meiner Frau.
Nach sechs Jahren in Frankreich zog ich im Herbst 1996 mit meiner Familie zurück nach Edinburgh. Zehn Jahre zuvor hatte ich Schottland verlassen, frisch verheiratet und frisch von der Uni. Jetzt kehrte ich als zweifacher Vater und Profischriftsteller zurück.
Dead Souls wurde vollständig in Edinburgh konzipiert und geschrieben – der erste Rebus-Roman seit Knots and Crosses (Verborgene Muster), bei dem das der Fall war. Alle übrigen waren während meines vierjährigen Aufenthalts in London beziehungsweise in den sechs Jahren danach entstanden, die ich in Frankreich verbracht hatte.
Serendipity.
Laut Wörterbuch bedeutet dieses Wort: „die Gabe, durch Zufall glückliche und unerwartete Entdeckungen zu machen“. Serendip war der arabische Name für Ceylon oder Sri Lanka. Das Wort soll der britische Staatsmann Horace Walpole geprägt haben, nach dem persischen Märchen …
Wenn ich im Ausland auf Lesereise bin, halte ich immer die Ohren offen für einheimische Musik und Bands, die ich noch nicht kenne. Bei meinem ersten Aufenthalt in Neuseeland saß ich in meinem Hotelzimmer in Auckland vor dem Fernseher, und als ein Werbespot für das neuste Album der Mutton Birds kam, gefielen mir die eingestreuten Musikschnipsel sehr gut.
Für meinen vorhergehenden Roman, The Falls (Puppenspiel), hatte ich einige Recherchen zu Burke und Hare anstellen müssen, jenen berüchtigten Edinburgher Mördern, die in einem einzigen Jahr siebzehn Menschen umgebracht und deren angeblich frisch ausgegrabene Leichen ortsansässigen Chirurgen zum Sezieren verkauft hatten.
Wenn man gewissermaßen in Echtzeit über eine reale Stadt schreibt, besteht eine Herausforderung darin, Veränderungen zu berücksichtigen. So war es zum Beispiel für mich unmöglich, kein Buch über das neue Scottish Parliament Building zu schreiben.
Die Idee zu The Naming of the Dead (Im Namen der Toten) entstand im Juni 2005. Ich las damals eine Menge Schreckensnachrichten zum bevorstehenden G8-Gipfel in Schottland und dachte, diese Woche könnte einen interessanten Hintergrund für einen Roman abgeben.