„Rankins Bücher bilden gewissermaßen
die Quintessenz dessen, was gegenwärtig
den britischen Kriminalroman ausmacht.“
Tobias Gohlis, DIE ZEIT
Die Idee zu The Naming of the Dead (Im Namen der Toten) entstand im Juni 2005. Ich las damals eine Menge Schreckensnachrichten zum bevorstehenden G8-Gipfel in Schottland und dachte, diese Woche könnte einen interessanten Hintergrund für einen Roman abgeben. Außerdem fand ich die Vorstellung verlockend, dass es trotz aller Gerüchte zur bevorstehenden Verstärkung des Polizeiapparats und zu endlosen Überstunden für die Einsatzkräfte einen Beamten geben würde, der zum Nichtstun verdonnert wäre: John Rebus. Seine Vorgesetzten würden den alten Unruhestifter niemals in die Nähe dieses Ereignisses lassen.
Ich hielt mich während der gesamten Woche rund um das Gipfeltreffen in Edinburgh auf, machte mir Notizen und fuhr dann in Urlaub nach Black Isle, eine Halbinsel nördlich von Inverness in Schottland. Es gefiel mir dort wirklich sehr - und ich entdeckte nebenbei auch noch einen wirklich unheimlichen Ort, den Clootie Well: eine Lichtung, auf der eine kleine Quelle aus dem Boden sprudelt. Hier hängen die Menschen seit vielen Jahren Kleidungsstücke auf - angeblich soll das Glück bringen. Die Bäume waren also voller verrottender T-Shirts, Hosen und Socken. Ein äußerst seltsamer Anblick. Und ich dachte: Was für ein wunderbarer Fundort für eine Leiche. Aber Black Isle war zu abgelegen für mögliche Einsätze von John Rebus. Also habe ich den Clootie Well einfach nach Auchterarder verlegt, wo sich das Gleneagles Hotel befindet, in dem wiederum die Staatsoberhäupter der G8-Staaten zusammentrafen. Und so hatte Rebus plötzlich einen Grund, bei dem Gipfeltreffen aufzutauchen.
Das war der Startschuss für den Roman. Als ich dann meine Notizen durchsah, erinnerte ich mich an eine Gruppe von Demonstranten, die den Calton Hill in Edinburgh bestiegen, um dort der Gefallenen des Irak-Kriegs zu gedenken. Sie nannten ihre Zeremonie "The Naming of the Dead". Dank ihnen hatte ich nun auch den Titel meines Romans. Es dauerte dann zwar noch neun Monate, bis er fertig war, aber ich bin mit dem Ergebnis zufrieden. Verdammt zufrieden sogar.
Ian Rankin